Manierismus Alte Meister Index

Manierismus Alte Meister Index

Alphabetisches Verzeichnis der großen Meister der Manierismus

Der Manierismus war eine europäische Kunstrichtung des 16. Jahrhunderts, die um 1520 in Italien entstand und gelängte Figuren, kunstvolle Posen sowie spannungsreiche Räume bevorzugte. Florenz und Rom bildeten die frühen Zentren. Die Maler griffen auf Raffael und Michelangelo zurück, veränderten deren Figuren jedoch durch Übersteigerung und ungewöhnliche Anordnungen. Der Name leitet sich vom italienischen maniera ab, das Stil oder künstlerische Ausdrucksweise bezeichnet. Erfindungsreichtum und der souveräne Umgang mit bekannten Vorbildern wurden zu wichtigen Maßstäben.

In Florenz entwickelten Jacopo Pontormo und Rosso Fiorentino eine von bewegten Körpern und unsicheren Standflächen geprägte Bildsprache. Pontormos „Grablegung Christi“ von 1525-1528 befindet sich in Santa Felicita. Die Träger des Leichnams scheinen den Boden kaum zu berühren. Rosa und hellblaue Gewänder verbinden die dicht gedrängten Gestalten; Blicke und Hände weisen in verschiedene Richtungen. Weder ein Kreuz noch ein eindeutig erkennbares Grab bestimmen den Schauplatz. Die Trauer erfasst dadurch die gesamte Komposition und bleibt nicht auf einzelne Gesichtsausdrücke beschränkt.

Eine andere Form der Eleganz zeigt Parmigianinos „Madonna mit dem langen Hals“ von 1534-1540 in den Florentiner Uffizien. Hals, Finger und Körper der Maria sind auffallend gestreckt. Das schlafende Kind liegt lang ausgestreckt auf ihrem Schoß. Links drängen sich Begleitfiguren zusammen, während sich rechts ein Raum mit Säulen und einer winzigen Gestalt öffnet. Die unterschiedlichen Größen lassen sich schwer zu einer einheitlichen Entfernung ordnen. Beim Tod des Malers blieb das Bild unvollendet, was besonders im architektonischen Hintergrund sichtbar ist.

Bronzino entwickelte am Hof der Medici eine kontrollierte, distanzierte Ausdrucksweise. Scharf bestimmte Umrisse und glatte Oberflächen lassen den einzelnen Pinselstrich weitgehend verschwinden. In seinen Bildnissen besitzen kostbare Stoffmuster eine ähnliche Genauigkeit wie die Gesichtszüge. Die um 1545 entstandene „Allegorie der Liebe“ gehört zur National Gallery in London. Helle Körper verschränken sich vor tiefblauem Stoff; Masken und ein Mischwesen verdichten das Geschehen. Mythologische Themen boten Raum für gelehrte Anspielungen, deren Hinweise in Gegenständen und Gesten verteilt sind.

In Venedig erhielten Licht und malerische Bewegung ein anderes Gewicht. Tintorettos „Das letzte Abendmahl“ von 1592-1594 befindet sich in San Giorgio Maggiore. Der Tisch führt schräg in einen dunklen Innenraum. Eine Hängelampe und das von Christus ausgehende Licht schaffen verschiedene Helligkeitszonen, während schemenhafte Engel darüber schweben. Die bewegte Pinselführung verstärkt den unruhigen Eindruck. El Greco entwickelte in Toledo ebenfalls eine religiöse Malerei mit gestreckten Körpern und flackerndem Licht. Dabei verband er seine kretische Herkunft mit Erfahrungen aus der venezianischen Malerei.

Die Plünderung Roms 1527 vertrieb Künstler und beschleunigte die Verbreitung ihrer Bildformen. Giulio Romano arbeitete bereits zuvor in Mantua, wo er im Palazzo Te Malerei und Architektur zu theatralischen Raumwirkungen verband. Unter Franz I. prägten Rosso Fiorentino und Francesco Primaticcio die Schule von Fontainebleau. Wandbilder, plastischer Stuck und Ornamente wurden dort zu zusammenhängenden Gestaltungen. Druckgrafiken verbreiteten einzelne Figuren, Rahmen und Dekorationsmotive, sodass Künstler solche Erfindungen übernehmen konnten, ohne die ursprünglichen Räume selbst gesehen zu haben.

Am Prager Hof Rudolfs II. malte Bartholomäus Spranger mythologische Begegnungen mit geschmeidig gedrehten Körpern. Giuseppe Arcimboldo setzte menschliche Köpfe aus Blumen, Früchten, Gemüse und anderen erkennbaren Dingen zusammen. Die einzelnen Bestandteile konnten genau beobachtet sein, obwohl das daraus entstehende Gesicht erfunden war. In Haarlem verbreitete Hendrick Goltzius durch seine Kupferstiche komplizierte Muskelbildungen und verschlungene Haltungen. Künstlerische Fertigkeit zeigte sich damit sowohl in der Ausführung als auch in der überraschenden Verbindung vertrauter Formen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gewannen in Italien das Studium lebender Modelle und eine klarere Erzählweise an Bedeutung. Annibale Carracci verband Naturbeobachtung mit geordnetem Bildaufbau; Caravaggio verlieh stark beleuchteten Figuren eine unmittelbare körperliche Präsenz. Beide eröffneten unterschiedliche Wege zur Barockmalerei um 1600. Nördlich der Alpen behaupteten sich aufwendige Allegorien und bewusst stilisierte Körper noch im 17. Jahrhundert neben den neuen Entwicklungen.
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