Jan Josephszoon van Goyen (1596-1656) war ein niederländischer Landschaftsmaler, der mit Flussansichten, Dünenbildern und weiten Himmelsräumen die tonale Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts entscheidend mitprägte. Seine auf Braun, Grau und gedämpftes Grün abgestimmte Farbigkeit verband Land, Wasser und Luft zu atmosphärisch geschlossenen Bildräumen. Darin gingen Fischer, Reisende und Dorfbewohner ihren Beschäftigungen nach; Fähren, Mühlen und Kirchtürme gehörten ebenso zum Bildbestand. Wirtschaftlich blieb seine Laufbahn widersprüchlich. Als Maler fand er Anerkennung, doch Immobiliengeschäfte und der Handel mit Tulpenzwiebeln trugen zu einer Verschuldung bei, die er nicht mehr überwinden konnte.
Am 13. Januar 1596 kam van Goyen in Leiden als Sohn eines Schuhmachers zur Welt. Über seine wechselvolle Ausbildung berichtete der Leidener Chronist Jan Jansz. Orlers. Demnach begann er mit zehn Jahren eine Malerlehre, wechselte mehrfach die Werkstatt und wollte sich nicht zum Glaser ausbilden lassen. Nach den ersten Lehrern in Leiden folgte eine längere Ausbildungszeit bei Willem Gerritz. in Hoorn. Mit etwa neunzehn Jahren reiste er nach Frankreich. Den wichtigsten Anstoß erhielt er anschließend in Haarlem: Rund ein Jahr arbeitete er bei Esaias van de Velde. Dessen Landschaften vermittelten ihm, wie Wege, Figurengruppen und räumliche Abstufungen eine Komposition gliedern konnten.
1618 heiratete van Goyen Annetje van Raelst und wurde als selbstständiger Meister in die Leidener Lukasgilde aufgenommen. Zunächst orientierte er sich deutlich an van de Velde. Seine frühen Bilder zeigten noch stärker voneinander abgesetzte Lokalfarben und auffällige Figurengruppen. Im Laufe der 1620er Jahre rückten die Farbwerte näher zusammen. Zu dieser Entwicklung trug auch der Marinemaler Jan Porcellis bei. Van Goyen unterschied Bäume, Ufer und Häuser nun weniger durch jeweils eigene Farben als durch Helligkeit und atmosphärische Abstufungen. Neben Dünen und Flussläufen beschäftigten ihn Strände und winterliche Landschaften. Die wechselnden Motive boten ihm Gelegenheit, Licht und Wetter mit einer zunehmend eingeschränkten Palette zu erfassen.
Anfang der 1630er Jahre ließ er sich in Den Haag nieder; 1634 erhielt er dort das Bürgerrecht. Anregungen fand er an den Kanälen und in den Dörfern um Leiden, Delft, Rotterdam und Gouda. Seine Motivsammlung entstand jedoch nicht nur in der näheren Umgebung. Unterwegs hielt er Gebäude, Uferverläufe und Landschaftsausschnitte in Skizzenbüchern fest, zunächst mit der Feder, später mit schwarzer Kreide. In der Werkstatt griff er auf diese Studien zurück und fügte Einzelmotive zu neuen Ansichten zusammen. Auch dort, wo ein Bauwerk eindeutig wiederzuerkennen war, musste dessen Umgebung nicht der tatsächlichen Lage entsprechen. Beobachtung und freie Bildgestaltung gingen bei ihm ineinander über.
Für seine Gemälde entwickelte van Goyen eine zügige Arbeitsweise mit häufig dünnem Farbauftrag auf warm getöntem Grund. Ocker, Erdfarben und Grau genügten ihm, um feuchte Luft oder sonnenhelle Ferne anzudeuten. Deckender gesetzte Lichter standen neben durchscheinenden Schattenpartien; dunkle und helle Zonen erschlossen die Tiefe. Bei den meist mäßigen Preisen seiner einzelnen Bilder war diese Arbeitsweise auch wirtschaftlich günstig. Ob künstlerische Überlegungen oder die Steigerung des Ertrags den Ausschlag gegeben hatten, ließ sich jedoch nicht eindeutig bestimmen. Zusätzliche Einnahmen suchte er als Kunsthändler und Schätzer. Er erwarb außerdem Grundstücke und ließ Häuser errichten. 1637 kaufte er kurz vor dem Zusammenbruch des Spekulationsmarktes Tulpenzwiebeln und blieb Zahlungen schuldig. Seinem beruflichen Ansehen schadete dies zunächst offenbar nicht: 1638 übernahm er ein Vorsteheramt in der Den Haager Lukasgilde.
In den 1640er Jahren beschäftigte sich van Goyen wiederholt mit denselben Orten, variierte aber deren bildnerische Anordnung. Besonders häufig malte er den Valkhof in Nimwegen. Die Flusslandschaft bei Dordrecht erlaubte ihm dagegen, große Wasserflächen unter einem ausgedehnten Himmel zu entfalten. In Landscape with Two Oaks bestimmen zwei Bäume den Vordergrund; an die Stelle des weiten Panoramas treten hier wenige gewichtige Formen. Seine Reisen setzte er fort und besuchte 1648 Antwerpen. Im folgenden Jahr nahm er Jan Steen in seinen Haushalt auf. Steen heiratete seine Tochter Grietje, während die Tochter Maria ebenfalls 1649 den Maler Jacques de Claeuw ehelichte. Zu van Goyens Mietern gehörte außerdem der Tiermaler Paulus Potter.
1651 erhielt van Goyen vom Den Haager Magistrat einen bedeutenden Auftrag. Für die Stadt malte er Gezicht op Den Haag vanuit het zuidoosten, eine etwa 4,6 Meter breite Ansicht, die den Maßstab seiner kleineren Landschaftsbilder weit übertraf. Im Vordergrund erscheinen der Trekvliet und eine Mühle, dahinter erstreckt sich die Stadt. Im August bekam er dafür 650 Gulden. Dennoch musste er noch im selben Jahr um Zahlungsaufschub bitten. Die beträchtlichen Einnahmen aus dem öffentlichen Auftrag reichten nicht aus, um seine Verpflichtungen aufzufangen. Vor allem die Immobiliengeschäfte belasteten ihn; seine Schwierigkeiten ließen sich nicht allein auf die Verluste im Tulpenhandel zurückführen.
Um Schulden abzutragen, versteigerte van Goyen eigene Arbeiten und Werke aus seiner Sammlung. Eine Auktion erbrachte 1652 zwar 3.750 Gulden, doch weitere Verkäufe wurden notwendig. 1654 vermietete er sein Haus an der Dunne Bierkade und zog in die Wagenstraat. Auch Steen verließ in diesem Jahr Den Haag. Trotz der finanziellen Bedrängnis malte van Goyen weiter. In seinen späten Fluss- und Seestücken ordnete er Wasser, Schiffe und Himmel zunehmend frei an. Als er am 27. April 1656 in Den Haag starb, beliefen sich seine Schulden auf ungefähr 18.000 Gulden.
Nach seinem Tod nahm seine Witwe den Nachlass nur unter der Bedingung an, für ungedeckte Restschulden nicht persönlich einstehen zu müssen. Steen und dessen Vater unterstützten sie bei der Abwicklung. Künstler wie Anthony van der Croos griffen van Goyens Landschaftsauffassung auf; seine tonale Malweise fand zahlreiche Nachahmer. Auch im 19. Jahrhundert blieb sein Werk für Maler bedeutsam. J. M. W. Turner ehrte ihn 1833 mit Van Goyen Looking Out for a Subject. Vincent van Gogh erinnerte später der Blick aus dem Fenster der Heilanstalt an eine Perspektive van Goyens. Heute lassen sich seine unterschiedlichen Landschaftsformen unter anderem im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid und im Museum De Lakenhal in Leiden betrachten.