Porträt von Henri Edmond Cross

Henri Edmond Cross Gemälde Reproduktionen 1 von 1

1856-1910

Französischer Maler - Pointillismus, Post-Impressionismus

Henri-Edmond Cross (1856-1910) war ein französischer Maler und Lithograf des Neoimpressionismus, dessen Bilder die Küsten und Gärten des Mittelmeerraums in leuchtenden Farben erschlossen. Kennzeichnend wurden seine getrennt gesetzten Farbtupfen, die sich im Lauf der Jahre von kleinen Punkten zu mosaikartigen Flächen vergrößerten. Er wurde am 20. Mai 1856 in Douai geboren; seine Familie hieß Delacroix und war im Eisenwarenhandel tätig. Der Vater stammte aus Frankreich, die Mutter aus Großbritannien. Nach dem Umzug in die Umgebung von Lille 1865 übernahm ein Verwandter, der Arzt Auguste Soins, die Kosten für Zeichenunterricht bei Carolus-Duran. Weitere Ausbildungsstationen waren François Bonvins Unterricht in Paris und das Atelier von Alphonse Colas in Lille. Soins blieb ihm als Förderer verbunden und saß ihm auch für ein Porträt Modell.

Mit dem Wechsel nach Paris 1881 setzte Cross seine Ausbildung bei Émile Dupont-Zipcy fort und stellte erstmals im Salon aus. Damals wählte er den englischen Künstlernamen Cross, um nicht mit Eugène Delacroix verwechselt zu werden. Eine erneute Namensänderung folgte um 1886: Der Zusatz Edmond sollte ihn nun vom Künstler Henri Cros unterscheiden. In seinen ersten Stillleben und Bildnissen überwogen dunkle, dem Realismus verpflichtete Töne. Eine Mittelmeerreise 1883 erweiterte sein landschaftliches Repertoire; unter dem Eindruck von Monet und Pissarro hellte sich seine Palette allmählich auf, und er arbeitete im Freien. 1884 gehörte er zu den Mitbegründern der Société des Artistes Indépendants. Ihre Ausstellungen kamen ohne Jury und Preisvergabe aus. Dort schloss er Freundschaft mit Seurat, Signac und weiteren Neoimpressionisten, ohne deren Malweise sogleich zu übernehmen.

Erst 1891 vollzog Cross den Schritt zum Divisionismus. Bei den Indépendants zeigte er ein großes Bildnis von Irma Clare unter dem Namen Madame Hector France. Kleine, nebeneinandergesetzte Farbtupfen erzeugten durch ihr Zusammenspiel die Lichtwirkung, statt sie allein durch vorgemischte Töne wiederzugeben. Cross hatte Clare 1888 kennengelernt; nach ihrer Scheidung vom Schriftsteller Hector France heirateten sie 1893. Zugleich verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Süden. Rheumatische Beschwerden bewogen ihn 1891, sich dauerhaft an der Mittelmeerküste niederzulassen. Auf einen Aufenthalt in Cabasson folgte der Umzug nach Saint-Clair bei Le Lavandou. Seine Bilder schickte er weiterhin nach Paris, wo er regelmäßig ausstellte.

Mit Signacs Niederlassung in Saint-Tropez 1892 rückte ein enger Freund auch räumlich näher. Die provenzalische Landschaft bot Cross nun die Motive für seine Farbexperimente. „Les Îles d’Or“ von 1891-1892 zeigt Küste, Meer und ferne Inseln in einer stark vereinfachten Folge horizontaler Zonen. In „L’Air du soir“, entstanden um 1893, ruhen Menschen am Ufer. Solche friedlichen Gesellschaftsbilder standen auch mit seinen anarchistischen Überzeugungen in Verbindung. Cross teilte mit mehreren Künstlerfreunden die Hoffnung auf ein freies Zusammenleben ohne gesellschaftlichen Zwang. In einem Brief an Signac erläuterte er seinen Wunsch, das Glück einer solchen künftigen Menschheit darzustellen.

Ab etwa 1895 veränderte er den Farbauftrag. An die Stelle dicht gereihter Punkte traten breitere, häufig rechteckige Pinselzüge; dazwischen ließ er stellenweise die Leinwand sichtbar. Die einzelnen Farben sollten nicht mehr nur im Auge verschmelzen, sondern durch ihre Gegensätze wirken. Cross erklärte, die Harmonie reiner Farben beschäftige ihn stärker als die getreue Wiedergabe der örtlichen Farbverhältnisse. Neben dieser aufwendigen Arbeit am Ölgemälde nutzte er Aquarell und Farbstift für rasche Aufzeichnungen. In einem Brief berichtete er von flüchtigen Farbeindrücken während einer Fahrradfahrt, die er unmittelbar festhielt. Aus solchen Notizen wollte er anschließend in der Ruhe des Ateliers ein Aquarell entwickeln.

Für seine politischen Vorstellungen setzte er sich auch durch konkrete Unterstützung ein. 1896 erschien seine Lithografie „L’Errant“ anonym in Jean Graves anarchistischer Zeitung Les Temps nouveaux. Cross steuerte später weitere Zeichnungen und Druckgrafiken bei und spendete Aquarelle für Tombolas zugunsten der Publikation. Seine Beteiligung beschränkte sich damit nicht auf die Themen seiner Gemälde, sondern umfasste praktische Hilfe für das Blatt. Gleichzeitig erprobte er die Farblithografie: Ambroise Vollard veröffentlichte 1897 „La Promenade“, die Zeitschrift Pan im folgenden Jahr „Les Champs-Élysées“. 1898 war Cross außerdem in einer von Harry Kessler organisierten Berliner Ausstellung des Neoimpressionismus vertreten, gemeinsam mit Signac, Maximilien Luce und Théo van Rysselberghe.

Eine Italienreise führte ihn 1903 unter anderem nach Venedig. Dort hielt er Kanäle, Boote und Uferbauten in Aquarellen fest, deren kleines Format und bewegliche Technik einen Gegenpol zu den sorgfältig aufgebauten Ölbildern bildeten. Im Jahr darauf besuchte ihn Matisse, der sich damals intensiv mit den Ausdrucksmöglichkeiten ungebrochener Farben beschäftigte. Der Garten in Saint-Clair wurde zum Treffpunkt für Künstler, die an die Küste kamen. Durch diese Begegnungen blieb Cross auch fern von Paris in den künstlerischen Austausch eingebunden; seine Ausstellungsbeteiligungen verschafften ihm zugleich Aufmerksamkeit über Frankreich hinaus.

1905 richtete die Pariser Galerie Druet seine erste Einzelausstellung aus. Sie umfasste dreißig Ölgemälde und ebenso viele Aquarelle; die Kritiken fielen günstig aus, und ein Großteil der Arbeiten wurde verkauft. Émile Verhaeren verfasste das Vorwort zum Katalog. Zwei Jahre später organisierte Félix Fénéon bei Bernheim-Jeune eine Retrospektive, zu deren Katalog Maurice Denis einen Text beitrug. Diesen Erfolgen standen zunehmende gesundheitliche Einschränkungen gegenüber. Cross litt unter nachlassender Sehkraft und Arthritis, was den Umfang seines Schaffens mitbegrenzte. 1908 reiste er nochmals nach Italien. Wegen einer Krebserkrankung wurde er 1909 in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Im Januar 1910 kehrte er nach Saint-Clair zurück; dort starb er am 16. Mai, wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag.

Nach seinem Tod widmete ihm Douai im Juli 1911 eine Gedächtnisausstellung. Seine Farbexperimente hatten insbesondere Matisse und Derain wichtige Anregungen gegeben und damit zur Entwicklung des Fauvismus beigetragen. Heute bewahrt das Musée d’Orsay neben „Les Îles d’Or“ und „L’Air du soir“ auch das Bildnis seiner späteren Frau von 1891. Weitere Arbeiten befinden sich unter anderem im Metropolitan Museum of Art in New York und im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. In diesen Sammlungen lässt sich neben der Küstenmalerei auch verfolgen, wie unterschiedlich Cross die Möglichkeiten von Aquarell und Ölfarbe nutzte.

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