Nördliche Renaissance Alte Meister Index

Nördliche Renaissance Alte Meister Index

Alphabetisches Verzeichnis der großen Meister der Nördliche Renaissance

Die Nördliche Renaissance war ein kultureller Aufbruch des 15. und 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen, dessen Malerei genaue Naturbeobachtung und feinste Einzelheiten verband. In den Niederlanden entstanden neue Bildformen aus der spätgotischen Werkstatttradition. Kirchen, Fürstenhöfe und wohlhabende Kaufleute bestellten Altäre und Bildnisse. Bei Robert Campin und Rogier van der Weyden erhielten biblische Gestalten körperliche Schwere und einen eindringlichen Gefühlsausdruck; ihre Umgebung wurde dem zeitgenössischen Alltag angenähert.

Durchscheinende Lasuren und fein abgestuftes Inkarnat gehörten zu den Möglichkeiten der Ölmalerei. Jan van Eyck unterschied damit den Glanz von Metall, die Durchsichtigkeit von Glas und die Oberflächen verschiedener Stoffe. Seine „Arnolfini-Hochzeit“ von 1434 befindet sich in der National Gallery in London. Fensterlicht verbindet Figuren und Einrichtung. Im gewölbten Spiegel erscheinen zwei weitere Personen und die Rückansicht des Paares. Der sichtbare Raum erhält dadurch eine zweite Blickrichtung.

Andere niederländische Maler entwickelten sehr unterschiedliche Bildwelten. Hieronymus Bosch stellte Versuchungen und Strafen mithilfe von Mischwesen dar. Pieter Bruegel der Ältere bettete dörfliche Tätigkeiten und jahreszeitliche Arbeit in weite Landschaften ein. Seine „Jäger im Schnee“ von 1565 gehören zum Kunsthistorischen Museum in Wien. Dunkle Baumstämme gliedern den Vordergrund; weiße Hänge führen zu blaugrünen Eisflächen. Während Jäger und Hunde den Hang hinabziehen, laufen unten winzige Figuren Schlittschuh. Ferne Berge schließen den weiten Ausblick ab.

Albrecht Dürer beschäftigte sich mit italienischen Studien zu Proportion und Perspektive. Holzschnitte und Kupferstiche verbreiteten seine Kompositionen weit über Nürnberg hinaus. Im „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500, heute in der Alten Pinakothek in München, richtet er den Blick gerade auf den Betrachter. Gesicht und Haar bilden eine ausgewogene Ordnung. Die Frontalität erinnert an traditionelle Christusbilder, während die genaue Wiedergabe von Gesichtszügen und Pelz den individuellen Menschen sichtbar macht.

In England arbeitete Hans Holbein der Jüngere für Heinrich VIII. Seine Bildnisse beschrieben neben dem Aussehen auch Bildung und gesellschaftliche Stellung. In „Die Gesandten“ von 1533 stehen zwei Franzosen neben Büchern sowie wissenschaftlichen und musikalischen Instrumenten. Das Gemälde befindet sich ebenfalls in der Londoner National Gallery. Kostbare Kleidung bestimmt ihren Auftritt; ein verzerrter Totenschädel durchquert den Vordergrund. Erst aus einem schrägen Blickwinkel wird seine Form deutlich erkennbar und setzt dem weltlichen Anspruch die Sterblichkeit entgegen.

Die Reformation veränderte die Bedingungen künstlerischer Arbeit. In manchen protestantischen Gebieten verringerte die Entfernung kirchlicher Bilder den Bedarf an Altären; Bildnisse und weltliche Themen gewannen an Bedeutung. Am Hof Franz’ I. in Fontainebleau entwickelten italienische Künstler eine andere Bildsprache. Gelängte Körper, komplizierte Haltungen und aufwendige Dekorationen trugen im 16. Jahrhundert zum nördlichen Manierismus bei. Gleichzeitig wurden Landschaften und Darstellungen des täglichen Lebens zunehmend als eigenständige Bildthemen behandelt.
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